DIN 18015-1:2020-05
Norm seit Mai 2020 in Kraft

Neue Anfor­de­rungen und Planungs­hin­weise für die Errich­tung von elek­tri­schen Anlagen in Wohn­ge­bäuden.


DIN 180515-1
seit Mai in Kraft

Seit Mai 2020 in Kraft, gibt die DIN 18015‐1:2020‐05 Hinweise für die Errich­tung von elek­tri­schen Anlagen in Wohn­ge­bäuden. Damit ersetzt die Norm die bishe­rige DIN 18015-1:2013-09. Teil 2, aktuell noch in der Über­ar­bei­tung, stellt neue Anfor­de­rungen an Art und Umfang der Mindest­aus­stat­tung. Im Folgenden wird beschrieben, welche wesent­li­chen Ände­rungen sich für Sie ergeben:

 

  • in der Planung sowie
  • durch die aktu­ellen Ausstat­tungs­werte und
  • in der Doku­men­ta­tion.


Aktua­li­sierte Norm umfasst insge­samt fünf Teile

 Teil 1

DIN 18015-1
benennt die Planungs­grund­lagen. Inhalt­liche Schwer­punkte sind die elek­tri­sche Ausstat­tung (auch für die Sicher­heit) sowie die Verfüg­bar­keit elek­tri­scher Anlagen.

 Teil 2

DIN 18015-2
benennt Art und Umfang der Mindest­aus­stat­tung. Die beschrie­benen Ausstat­tungs­werte der elek­tri­schen Anlagen entspre­chen den heutigen Komfort- und Sicher­heits­be­dürf­nissen.

 Teil 3 DIN 18015-3
beschreibt Leitungs­füh­rung und Anord­nung der Betriebs­mittel.
 Teil 4 DIN 18015-4
beschreibt die Gebäu­de­sys­tem­technik.
 Teil 5

DIN 18015-5
defi­niert die Bereiche Luft­dichte sowie wärme­brü­cken­freie Elek­tro­in­stal­la­tion.




Aktua­li­sierte
Mindest­an­for­de­rungen

Der Geltungs­be­reich der Norm erstreckt sich auf Elek­tro­in­stal­la­tionen in Wohnungen mit Kommu­ni­ka­ti­ons­technik. Er bezieht neben konven­tio­nellen Anlagen auch solche mit Gebäu­de­sys­tem­technik ein. Alle Anfor­de­rungen gelten glei­cher­maßen für die Planung neuer Anlagen als auch für die Umpla­nung von beste­henden Elek­tro­in­stal­la­tionen.

Die im Teil 2 fest­ge­legten Mindest­an­for­de­rungen für elek­tri­sche Anlagen in Wohn­ge­bäuden sind die Grund­lage für die RAL-RG 678:


  • Diese Mindest­aus­stat­tung der DIN 18015-2 stellt den ersten Ausstat­tungs­wert dar – die soge­nannte „Ein Stern Instal­la­tion“ (*) dar.
  • Darüber hinaus­ge­hend werden Mindest­aus­stat­tung für eine Stan­dard­aus­stat­tung (**) und
  • eine Komfort­aus­stat­tung (***) defi­niert.

Über­ar­bei­tete Anfor­de­rungen
an Doku­men­ta­tion

Eben­falls über­ar­beitet wurden (Details hier):


  • die Anfor­de­rungen an die Doku­men­ta­tion jeder Anlage
  • Neu aufge­nommen wurde die Forde­rung der Nach­füh­rung der Doku­men­ta­tion an den Anla­gen­zu­stand
  • Erst­malig muss die Doku­men­ta­tion notwen­dige Wartungs- und Prüf­in­ter­valle für den bestim­mungs­ge­mäßen Betrieb der elek­tri­schen Anlage (zum Beispiel Rauch­warn­melder) enthalten.

Ist die Anwen­dung der DIN 18015 in der Ausschrei­bung vorge­sehen und wurde sie im Werk­ver­trag verein­bart, so ist diese Normen­reihe rechts­ver­bind­lich anzu­wenden. Im TAB Muster­wort­laut des BDEW wird die Einhal­tung der DIN 18015 zum Beispiel für die Planung der Haupt­lei­tung, des Haupt­strom­ver­sor­gungs­sys­tems oder auch für die Zähler­schränke gefor­dert. Wichtig: Die Elek­tro­in­stal­la­tion muss selbst­ver­ständ­lich den zum Errich­tungs­zeit­punkt geltenden gesetz­li­chen und behörd­li­chen Vorschriften, DIN VDE-Normen, DIN-Normen und Tech­ni­schen Anschluss­be­din­gungen (TAB) der Netz­be­treiber entspre­chen.


Strom­kreis­ver­teiler in Wohnungen
gemäß 18015-2

Gene­rell sind in Wohnungen Instal­la­ti­ons­klein­ver­teiler nach DIN EN 60670-24 (VDE 0606-24) und DIN 43781 zur Unter­brin­gung von Schutz- und Schalt­ge­räten sowie anderen Betriebs­mit­teln vorzu­sehen. Die Verteiler sind vorzugs­weise in der Nähe des Belas­tungs­schwer­punkts zu plat­zieren – in der Regel also im Flur. In Einfa­mi­li­en­häu­sern ist es auch zulässig, den Strom­kreis­ver­teiler als Verteil­er­feld im Zähler­schrank nach DIN VDE 0603 (VDE 0603) auszu­führen.


Für den Anschluss des Strom­kreis­ver­tei­lers ist vom Zähler­platz für jede Wohnung eine Leitung mit drei Außen­lei­tern (3L, N, PE) und einer zuläs­sigen Strom­be­last­bar­keit von mindes­tens 63 A zum ersten Strom­kreis­ver­teiler vorzu­sehen. Sind mehrere Strom­kreis­ver­teiler für eine Wohnung vorge­sehen (z. B. bei mehr­ge­schos­sigen Wohnungen), richtet sich die Mindest­be­last­bar­keit der Leitungen zu den weiteren Strom­kreis­ver­tei­lern nach dem zu erwar­tenden Leis­tungs­be­darf oder nach der zuge­ord­neten Über­strom­schutz­ein­rich­tung.


Die zu wählende Größe des Instal­la­ti­ons­klein­ver­tei­lers ist abhängig von der Größe der Wohnung, dem Ausstat­tungs­um­fang (s.u.), der Zahl der Strom­kreise sowie den gewünschten Schutz-, Schalt, Über­wa­chungs- oder auch Rege­lungs­funk­tionen.


Gemäß DIN 1805-2 sind Strom­kreis­ver­teiler in Mehr­raum­woh­nungen mindes­tens 4‐reihig, bei Einraum­woh­nungen mindes­tens 3‐reihig auszu­führen. Erstre­cken sich abge­schlos­sene Wohnungen über mehrere Etagen, sind mindes­tens zwei Strom­kreis­ver­teiler vorzu­sehen. Die Größe zusätz­li­cher Strom­kreis­ver­teiler – beispiels­weise für die E-Mobi­lität in der Garage – kann nutzungs­ge­recht ange­passt werden, die Mindest­größe von zwei Reihen darf jedoch nicht unter­schritten werden. Wichtig: Um für spätere Ände­rungen und/oder Erwei­te­rungen gerüstet zu sein, empfiehlt die Norm eine Platz­re­serve von 20 Prozent.

 


Norm­kon­former
Kommu­ni­ka­ti­ons­ver­teiler

Zusätz­lich zum Strom­kreis­ver­teiler ist in Wohnungen auch ein Kommu­ni­ka­ti­ons­ver­teiler vorzu­sehen. Dieser dient der Aufnahme von aktiven und passiven IuK‐ und/​oder RuK‐Kompo­nenten. Hierzu zählen beispiels­weise TAE, Router/​Modem, Switche, Verstärker, Span­nungs­ver­sor­gungen oder auch der opti­sche Netz­ab­schluss ONT. Der Kommu­ni­ka­ti­ons­ver­teiler bildet damit den zentralen Punkt (Stern­punkt) für das Wohnungs­netz. Die Größe des Kommu­ni­ka­ti­ons­ver­tei­lers resul­tiert aus dem Platz­be­darf der genannten Kompo­nenten sowie aus der Zahl der abge­henden Elek­tro­in­stal­la­ti­ons­rohre.

 

Die Unter­brin­gung des Kommu­ni­ka­ti­ons­ver­tei­lers erfolgt bei Einfa­mi­li­en­häu­sern vorzugs­weise im Zähler­schrank neben dem Verteil­er­feld. Wichtig: Zwischen Strom­kreis­ver­tei­lern und Kommu­ni­ka­ti­ons­ver­tei­lern ist ein Elek­tro­in­stal­la­ti­ons­rohr oder ‐kanal vorzu­sehen – beispiels­weise um eine Verbin­dung zur Span­nungs­ver­sor­gung im Kommu­ni­ka­ti­ons­ver­teiler herzu­stellen oder um Kompo­nenten der Gebäu­de­sys­tem­technik anzu­binden.


Ausstat­tungs­werte nach
DIN 18015-2 (aktuell in Über­ar­bei­tung)
und RAL RG 678

Vorge­ge­bene Ausstat­tungs­werte legen die quan­ti­ta­tiven und quali­ta­tiven Anfor­de­rungen hinsicht­lich der Planung und Bewer­tung von Gebäuden fest. Das heißt: Die Elektro-Instal­la­tionen von Gebäuden werden durch die Ausstat­tungs­werte für Bauherren, Käufer und Mieter auf einen Blick bewert- und vergleichbar. Dafür sorgt ein einfa­ches Kenn­zeich­nungs­system mit Sternen:

  • Ausstat­tungs­wert 1: * Mindest­aus­stat­tung
  • Ausstat­tungs­wert 2: ** Stan­dard­aus­stat­tung
  • Ausstat­tungs­wert 3: *** Komfort­aus­stat­tung

 

Anmer­kung: Die Ausstat­tungs­werte für Anlagen mit Gebäu­de­sys­tem­technik sind zusätz­lich mit dem Wort „plus“ versehen. Z. B.: Ausstat­tungs­wert 1 plus/*​​​​​plus

 

Die Norm DIN 18015-2 legt folgende Mindest­an­for­de­rungen fest:

  • die Anzahl der Strom­kreise abhängig von der Wohn­fläche
  • die zu instal­lie­renden Steck­dosen und Anschlüsse beispiels­weise für Beleuch­tung oder Lüfter
  • sowie die Zahl der Anschlüsse für Verbrau­cher mit eigenem Strom­kreis.

 

Wohn­fläche der Wohnung in m²  Mindest-Anzahl der Strom­kreise für Steck­dosen und Beleuch­tung
 bis 50  3
 50 - 75  4
 75 - 100  5
 100 - 125  6
 über 125  7
  Weitere Strom­kreise für den Anschluss beson­derer Verbrauchs­mittel sind zusätz­lich vorzu­sehen.

 

Wichtig: Jeder Strom­kreis ist dabei mit einer eigenen Über­strom-Schutz­ein­rich­tung wie z. B. LS-Schalter bzw. FI/LS-Schalter abzu­si­chern.


Praxis­bei­spiel für die Ausstat­tung: Küche

 

 Mindest­aus­stat­tung (*) 5 Steck­dosen 1 Radio-/ TV-/Daten­an­schluss (RuK) 3 zusätz­liche Steck­dosen für Radio, TV und Daten­ge­räte 
 Stan­dard­aus­stat­tung (**) 10 Steck­dosen
 Komfort­aus­stat­tung (***) 12 Steck­dosen

 

Zu den beson­deren Verbrauchs­mit­teln mit eigenem Strom­kreis zählt beispiels­weise der Elek­tro­herd. Für diesen Anschluss ist eine Leitung mit 3 Außen­lei­tern (3L, N, PE) und einer zuläs­sigen Strom­be­last­bar­keit von mindes­tens 20 A zu instal­lieren. Die zuge­ord­nete Schutz­ein­rich­tung ist mit einem Bemes­sungs­strom von eben­falls 20 A auszu­wählen.

Mikro­wel­len­gerät, die Geschirr­spül­ma­schine sowie gege­be­nen­falls das Warm­was­ser­gerät sind eben­falls mit einem sepa­raten Strom­kreis abzu­si­chern.

 

Bei Räumen mit beson­derer Nutzung wie beispiels­weise Hobby­räumen empfiehlt es sich, für Steck­dosen und Beleuch­tung grund­sätz­lich getrennte Strom­kreise vorzu­sehen. So können Folgeun­fälle bei Ausfall der Beleuch­tung vermieden werden. Für Wasch­ma­schine und Trockner sind immer sepa­rate Strom­kreise einzu­planen.

 

Als Über­strom‐Schutz­ein­rich­tungen für Beleuch­tungs‐ und Steck­do­sen­strom­kreise sind LS-Schalter oder Fehler­strom‐Schutz­schalter mit einge­bautem Über­strom­schutz (RCBO) vorzu­sehen.


Hager Tipp 21

Neue DIN 18015-1:2020-05

Alle Infor­ma­tionen zur neuen Norm zum Ausdru­cken finden Sie im Hager Tipp 21.


Selek­ti­vität

Bei der Zuord­nung von Anschluss­stellen für Verbrau­cher zu einem Strom­kreis ist darauf zu achten, dass Schutz­ein­rich­tungen wie FI- oder LS-Schalter beim auto­ma­ti­schen Abschalten im Fehler­fall oder beim manu­ellen Abschalten nur einen möglichst kleinen Teil der Anlage außer Betrieb setzen. Ziel ist es, immer eine größt­mög­liche Verfüg­bar­keit der Anlage zu erhalten. Um die Selek­ti­vität auch bei der Hinter­ein­an­der­schal­tung von Über­strom­schutz­ein­rich­tungen und solchen zum Schutz gegen elek­tri­schen Schlag zu gewähr­leisten, sind Geräte mit entspre­chenden Selektiv-Eigen­schaften zu wählen. Das können beispiels­weise SH-Schalter im Zähler­schrank oder selek­tive FI-Schalter für den über­ge­ord­neten Fehler­strom- und den Brand­schutz sein. Alter­nativ können für Endstrom­kreise auch FI/​LS‐Schalter einge­setzt werden. Hier ergibt sich die höchst­mög­liche Verfüg­bar­keit.


Um beim Einsatz von FI-Schal­tern die Verfüg­bar­keit hoch und das Risiko einer Über­last gering zu halten, ist die Zuord­nung von Endstrom­kreisen folgen­der­maßen zu planen:


  • mit 2-poligen FI-Schal­tern sind nicht mehr als zwei 1-phasige Endstrom­kreise abzu­si­chern und
  • mit 4-poligen FI-Schal­tern nicht mehr als sechs 1-phasige Endstrom­kreise

Erlaubt: selek­tive Gruppen FI-Schutz­schalter

 

Fehlerstromschutzschalter CDS440D

Hinsicht­lich der Zuord­nung von Fehler­strom-Schutz­schal­tern zu den Strom­kreisen ist also zu beachten, dass das Abschalten eines FI-Schutz­schal­ters nicht zum Ausfall aller Strom­kreise führen darf. Ableit­ströme, die sich im normalen – also fehler­freien – Betrieb ergeben, dürfen die Fehler­strom-Schutz­ein­rich­tungen nur in dem Maße vorbe­lasten, dass ein sicherer Betrieb möglich ist. Dies erreicht man durch eine entspre­chende Auftei­lung der Strom­kreise und den Einsatz abge­stimmter FI-Schutz­schalter. Die Anzahl notwen­diger Strom­kreise in einer elek­tri­schen Anlage wird in DIN 18015-2 beschrieben.

Zum Schutz der Leitung gilt: Die Selek­ti­vität zu vor- und nach­ge­schal­teten Über­strom-Schutz­ein­rich­tungen muss berück­sich­tigt werden. Hierbei ist die DIN VDE 0100-410 zu beachten. Gegen­über der Vorgän­ger­ver­sion wurden in der aktu­ellen Fassung dieser Norm die Anfor­de­rungen für Steck­do­sen­strom­kreise in Abschnitt 411.3.3 auf Bemes­sungs­ströme bis einschließ­lich 32 A erwei­tert. Das heißt: Es müssen jetzt FI-Schutz­schalter mit einem Bemes­sungs­dif­fe­renz­strom von maximal 30 mA für Steck­do­sen­strom­kreise bis einschließ­lich 32 A Bemes­sungs­strom einge­setzt werden. (Zuvor lag dieser Wert bei 20 A.)

Bei elek­tri­schen Anlagen, die nach den einschlä­gigen Normen nicht dem Gebrauch durch Laien entspre­chen und auch nicht entspre­chend konstru­iert sind (also im Anwen­dungs­be­reich der DIN VDE 0100-105 liegen), können Steck­do­sen­strom­kreise ausge­nommen werden. Dazu ist eine Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung nach Betriebs­si­cher­heits­ver­ord­nung (Betr­SichV) erfor­der­lich und die allge­meine Verwen­dung dieser Steck­dosen muss dauer­haft ausge­schlossen sein. Das betrifft beispiels­weise Steck­do­sen­strom­kreise in abge­schlos­senen elek­tri­schen Betriebs­stätten, zu denen nur elek­tro­tech­ni­sche Fach­kräfte Zugang haben.


Wie gehabt, müssen Endstrom­kreise mit fest ange­schlos­senen, orts­ver­än­der­li­chen Wech­sel­strom-Betriebs­mit­teln zur Verwen­dung im Außen­be­reich mit einem Bemes­sungs­strom bis 32 A eben­falls mit einem FI-Schutz­schalter (30 mA) geschützt werden. Beispiele hierfür sind Teich- oder Garten­pumpen. Bei solchen Anwen­dungen empfiehlt die Norm den Einsatz von kombi­nierten FI/LS-Schal­tern, da diese Schutz­ein­rich­tungen den Personen-, Brand- und Leitungs­schutz in einem Gerät ermög­li­chen. Darüber hinaus wird in Abschnitt 411.3.4 der DIN VDE 0100-410 für alle Beleuch­tungs­strom­kreise in Wohnungen mit TN- oder TT- Systemen ein zusätz­li­cher Schutz durch Fehler­strom-Schutz­ein­rich­tungen (RCD oder RCBO) mit einem Bemes­sungs­dif­fe­renz­strom von höchs­tens 30 mA gefor­dert. Diese Praxis, Beleuch­tungs­strom­kreise über FI-Schutz­schalter abzu­si­chern, war bereits in der Vergan­gen­heit etabliert und bewährt. (Weitere Infor­ma­tionen zur aktu­ellen DIN VDE 0100-410 finden Sie im Hager­Tipp 36.)

 

Fehlerstrom-/ Leitungsschutzschalter ADZ310D

Fehler­licht­bogen- und Über­span­nungs­schutz

Hinsicht­lich des Schutzes vor ther­mi­schen Auswir­kungen durch Fehler­licht­bögen sind die Vorgaben der DIN VDE 0100-420 sowie deren Regeln zum Einsatz von AFDDs (umgangs­sprach­lich Brand­schutz­schalter) zu beachten.

Ihr Geltungs­be­reich erstreckt sich ausschließ­lich auf Neuan­lagen bezie­hungs­weise auf die Erwei­te­rung oder Ände­rung von Bestands­an­lagen. Das heißt, Altan­lagen müssen nicht zwin­gend durch AFDDs der neuen Normen­lage ange­passt werden. In Absatz 421.7 der Norm ist der Einsatz von AFDDs neu gere­gelt. Im Kern geht es darum, Fehler­licht­bögen zu verhin­dern, die durch ther­mi­sche Auswir­kungen beispiels­weise Brände verur­sa­chen können. Daher wird empfohlen, beim Vorliegen beson­derer Risiken Maßnahmen zum Schutz gegen die ther­mi­schen Auswir­kungen von Fehler­licht­bögen zu treffen. Um diese beson­deren Risiken zu erkennen, ist in der Planungs­phase verpflich­tend eine Risiko- und Sicher­heits­be­wer­tung durch­zu­führen. Das Ergebnis ist zu doku­men­tieren. Abhängig vom Ergebnis der Risiko- und Sicher­heits­be­wer­tung können drei mögliche Maßnahmen getroffen werden:


  1. bauliche Maßnahmen (z. B. erd- und kurz­schluss­si­chere Verle­gung wie Einzel­ader im Beton)
  2. orga­ni­sa­to­ri­sche Maßnahmen (zum Beispiel Aufsichts­person im Museum)
  3. anla­gen­tech­ni­sche Maßnahmen
AFDD Brandschutzschalter ARF906D

Der AFDD stellt eine anla­gen­tech­ni­sche Maßnahme dar. Aktuell liegt ein Leit­faden für die Risiko- und Sicher­heits­be­wer­tung beispiels­weise vom ZVEH vor (abrufbar unter https://www.zveh.de/maerkte-themen/technik-und-normung/fehler­licht­bogen-schutz­ein­rich­tung.html). Die gefor­derte Risiko- und Sicher­heits­be­wer­tung kann jedoch stark verein­facht werden, wenn AFDDs zum Einsatz kommen. In jedem Fall ist die getrof­fene Entschei­dung und der Einsatz von AFDDs schrift­lich zu doku­men­tieren. Dies obliegt dem Errichter bezie­hungs­weise Planer der elek­tri­schen Anlage (siehe auch Hager-Tipp 40).

Der Über­span­nungs­schutz ist nach DIN VDE 0100-443 immer vorge­schrieben, wenn die Folgen der Über­span­nung Auswir­kungen haben auf Menschen­leben, öffent­liche Einrich­tungen, Gewerbe-oder Indus­trie­ak­ti­vi­täten, Ansamm­lungen von Personen oder Einzel­per­sonen in Wohn­ge­bäuden und kleinen Büros. Die aktua­li­sierte Neufas­sung der DIN VDE 0100-443 hat die Anwen­dungs­be­reiche erheb­lich ausge­weitet (detail­lierte Infor­ma­tionen hierzu enthält der Hager-Tipp 41). Näheres regelt auch die RAL-RG 678 in den Ausfüh­rungen zu Anlagen mit Gebäu­de­sys­tem­technik und Kommu­ni­ka­ti­ons­technik.


Doku­men­ta­ti­ons­pflichten gemäß
DIN 18015-1:2020-5

Den Abschluss einer norm­ge­rechten Instal­la­tion in Wohn­ge­bäuden nach DIN 18015-1:2020-05 bildet eine umfas­sende Doku­men­ta­tion der Instal­la­tions- und Schalt­pläne:

 

Für Instal­la­ti­ons­pläne gilt: Anschluss- sowie Schalt­stellen sind auf einem Grund­riss­plan anzu­geben; dabei sind die grafi­schen Symbole entspre­chend der DIN EN 60617 zu verwenden.

 

Schalt­pläne müssen die Art und den Aufbau der Strom­kreise kennt­lich machen sowie die Iden­ti­fi­zie­rung der Einrich­tungen für Schutz-, Trenn- und Schalt­funk­tionen samt ihrer Einbau­orte ermög­li­chen.

 

Darüber hinaus sind weitere Anlagen-Doku­men­ta­tionen gemäß DIN VDE 0100-510 (VDE 0100510) zu erstellen.

 

Wichtig: Die Planungs­un­ter­lagen müssen dem tatsäch­li­chen Stand entspre­chen; Erwei­te­rungen, Ände­rungen und Nutzungs­än­de­rungen sind nach­zu­tragen. Außerdem sind Prüf­be­richte nach DIN VDE 0100‐600 (VDE 0100‐600) sowie die Doku­men­ta­tion nach DIN 18014 den Planungs­un­ter­lagen beizu­fügen. Darüber hinaus muss die Doku­men­ta­tion für den bestim­mungs­ge­mäßen Betrieb der Anlage auch alle erfor­der­li­chen Hinweise und Empfeh­lungen für Wartungs‐ und Prüf­in­ter­valle enthalten. Das betrifft beispiels­weise FI- und Über­span­nungs­schutz­ein­rich­tungen oder auch Rauch­warn­melder.


Planungsapp

Hager Ready

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