Mieter­strom:
Ener­gie­wende im Mehr­fa­mi­li­en­haus

Instal­la­ti­ons­tech­ni­sche Voraus­set­zungen zur Nutzung von Mieter­strom­mo­dellen

Solaranlage auf dem Dach eines Mietshauses

Selbst erzeugten Strom
an die Mieter verkaufen
Hager Wissen für Wohnungs­un­ter­nehmen und Immo­bi­li­en­be­sitzer

Bei den Mieter­strom­mo­dellen geht es im Kern darum, selbst erzeugten Strom an die Mieter zu verkaufen. Damit können sich Wohnungs­un­ter­nehmen und Besitzer von Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern an der Ener­gie­wende betei­ligen.

 

Dabei können Vermieter und Mieter glei­cher­maßen profi­tieren. Je nach Mieter­strom­mo­dell erfor­dert die Vertei­lung und Abrech­nung des rege­ne­rativ erzeugten Stroms spezi­fisch ausge­legte Instal­la­ti­ons­kon­zepte.

 

Wir stellen hier vier typi­sche Anwen­dungs­fälle von Mieter­strom­mo­dellen vor und beleuchten die allge­meinen Hinter­gründe.

Symbolbild für Mieterstrom, Mieterstromanlage und Mieterstrommodell

Was ist das
Mieter­strom­mo­dell?

Das Konzept des Mieter­stroms

Mieter­strom bezeichnet laut dem Bundes­wirt­schafts­mi­nis­te­rium Strom, „der von Solar­an­lagen auf dem Dach eines Wohn­ge­bäudes erzeugt und von dort direkt, das heißt ohne Netz­durch­lei­tung, an Letzt­ver­brau­cher in diesem Gebäude oder in Wohn­ge­bäuden oder Neben­an­lagen im unmit­tel­baren räum­li­chen Zusam­men­hang gelie­fert und verbraucht wird“.

Die Nach­teile des Mieter­strom­mo­dells

Zwar entgeht dem Eigen­tümer bei dem Modell die EEG-Einspei­se­ver­gü­tung, wenn er „seinen“ Strom direkt an die Mieter abgibt. Im Gegenzug wird auf diese Weise erzeugter und verteilter Strom jedoch von der Bundes­re­gie­rung mit einem Mieter­strom­zu­schlag geför­dert. Zudem entfallen verschie­dene Steuern und Abgaben, da der Strom ohne Netz­durch­lei­tung direkt an die Abnehmer fließt.

Die Vorteile des Mieter­strom­mo­dells

Der Eigen­tümer kann mit einer Mieter­strom-Photo­vol­taik-Anlage den Wert seiner Immo­bilie stei­gern, die Neben­kosten senken und einen Beitrag für die Ener­gie­wende und den Klima­schutz leisten. Künftig sollen Wohnungs­un­ter­nehmen Einkünfte durch die Produk­tion und Liefe­rung von Strom aus erneu­er­baren Ener­gien und durch den Betrieb von Lade­sta­tionen für Elek­tro­autos erzielen können, ohne dass ihre Miet­erträge mit Gewer­be­steuer belastet werden.



Hinweis:

Das Verhältnis zwischen “Mieter­strom” aus der Erzeu­gungs­an­lage und dem Zusatz­strom ist zu beachten hinsicht­lich der Renta­bi­lität!



Bedin­gungen für den
Mieter­strom

Voraus­set­zung für das Mieter­strom­mo­dell

Voraus­set­zung für die Umset­zung eines Mieter­strom-Modells und den Erhalt des Mieter­strom­zu­schlags ist das Vorhan­den­sein einer PV-Anlage auf, an oder in einem Wohn­ge­bäude mit einer instal­lierten Leis­tung von maximal 100 Kilo­watt (die vergü­tungs­sei­tige Anla­gen­größe darf sich jedoch auf 500 kW summieren), die bei der Bundes­netz­agentur regis­triert ist. Zudem muss dieser Strom an Letzt­ver­brau­cher in diesem Gebäude oder im selben Quar­tier gelie­fert und verbraucht werden. Der Strom darf dazu nicht durch das Netz der allge­meinen Versor­gung geleitet werden. Im Fall einer Misch­im­mo­bilie müssen mindes­tens 40 Prozent der Gebäu­de­fläche dem Wohnen dienen.

 

Hinweis:

Zu klären mit dem zustän­digen Netz­be­treiber ist die Messstel­len­ver­ant­wor­tung! 

Umfeld­be­din­gungen für eine Mieter­strom­an­lage

Derje­nige (auch eine natür­liche Person), der eine Anlage zur Strom­er­zeu­gung betreibt und den darin erzeugten Strom an Dritte liefert, ist ein Energie- bzw. Elek­tri­zi­täts­ver­sor­gungs­un­ter­nehmen im Sinne des Ener­gie­wirt­schafts­ge­setzes (EnWG) und des Erneu­er­bare-Ener­gien-Gesetzes. Damit sind verschie­dene ener­gie­recht­liche Pflichten (insbe­son­dere Vertrags­ge­stal­tung, Rech­nungs­ge­stal­tung, Strom­kenn­zeich­nung, Regis­trie­rungs- und Mittei­lungs­pflichten) verbunden. Der dafür erfor­der­liche Aufwand ist in die Berech­nung des Mieter­strom­zu­schlags einge­preist.

 

Der Mieter­strom­ver­trag muss die umfas­sende Versor­gung des Letzt­ver­brau­chers mit Strom auch für die Zeiten vorsehen, in denen kein Mieter­strom gelie­fert werden kann (beispiels­weise wenn die Sonne nicht scheint). Dieser Zusatz­strom wird über den Netz­an­schluss­punkt dem Netz der allge­meinen Versor­gung entnommen.

Mieter­strom: Zuschläge laut EEG

Die Höhe des Mieter­strom­zu­schlags wurde im EEG 2021 neu fest­ge­legt:

  • neue Anlagen bis 10 kW bei 3,79 ct/kWh,
  • neue Anlagen bis 40 kW bei 3,52 ct/kWh,
  • neue Anlagen bis 100 kW bei 2,37 ct/kWh.

 

Der Mieter­strom­zu­schlag ist deut­lich nied­riger als die Einspei­se­ver­gü­tung, denn der Mieter­strom­an­bieter erhält nicht nur den Mieter­strom­zu­schlag, sondern auch den Erlös aus dem Verkauf des Mieter­stroms. Die Vergü­tung einer Solar­an­lage berechnet sich anteilig anhand der Vergü­tung der im EEG 2021 fest­ge­legten unter­schied­li­chen Leis­tungs­klassen. 



Mieter­strom Beispiel­rech­nung

Eine 40-kW-Anlage hat Januar 2021 für die einge­speiste Strom­menge einen Vergü­tungs­an­spruch von 7,99 Cent/Kilo­watt­stunde. Der Anla­gen­teil bis 10 Kilo­watt geht mit 25 Prozent, der Anla­gen­teil über 10 Kilo­watt bis 40 Kilo­watt mit 75 Prozent in die Vergü­tungs­be­rech­nung mit ein: 0,25 x 8,16 Cent/Kilo­watt­stunde + 0,75 x 7,78 Cent/Kilo­watt­stunde = 7,99 Cent/Kilo­watt­stunde (gerundet).

 

Der Mieter­strom­zu­schlag einer 40-Kilo­watt-Anlage wird auf die gleiche Weise berechnet. Der Anla­gen­teil bis 10 Kilo­watt geht mit 25 Prozent, der Anla­gen­teil über 10 Kilo­watt bis 40-Kilo­watt mit 75 Prozent in die Vergü­tungs­be­rech­nung mit ein.

 

Im Januar 2021 gilt: 0,25 x 3,79 Cent/Kilo­watt­stunde + 0,75 x 3,52 Cent/Kilo­watt­stunde = 3,59 Cent/Kilo­watt­stunde (gerundet).

 

Den Zuschlag erhält der Anla­gen­be­treiber, wobei der Vermieter die Anlage selbst betreiben oder einen Dritten beauf­tragen kann. 



Strom­preis­ge­stal­tung bei Mieter­strom­mo­dellen

Der im Mieter­strom­ver­trag verein­barte Strom­preis setzt sich aus dem Mieter­strom­preis und dem Preis für den Zusatz­strom zusammen. Der verein­barte Strom­preis darf 90 Prozent des in dem jewei­ligen Netz­ge­biet geltenden Grund­ver­sor­gungs­ta­rifs nicht über­steigen (§ 42a Absatz 4 EnWG).

Preisvorteil beim Mieterstrom in Zahlen

Beispiele für
Mieter­strom­an­lagen


Technische Zeichnung für eine Mieterstromanlage mit Direkteinspeisung von PV-Strom in die Kundenanlage sowie Netzbezug über VNB-Wandleranlage

Anwen­dungs­fall 1 für eine
Mieter­strom­an­lage

Direkt­ein­spei­sung von PV-Strom in die Kunden­an­lage/Netz­bezug über VNB-Wand­ler­an­lage

Details zu diesem Mieter­strom­mo­dell

im Hager Tipp 47 auf Seite 5.

Technische Zeichnung für eine Mieterstromanlage mit Wandlermessung für Teilnehmer am Mieterstrom

Anwen­dungs­fall 2 für eine
Mieter­strom­an­lage

Wand­ler­mes­sung für Teil­nehmer am Mieter­strom

Details zu diesem Mieter­strom­mo­dell

im Hager Tipp 47 auf Seite 6.

Technische Zeichnung für eine Mieterstromanlage mit Hauptmessung und PV-Messung in einem Gehäuse

Anwen­dungs­fall 3 für eine
Mieter­strom­an­lage

Haupt­mes­sung und PV-Messung in einem Gehäuse

Details zu diesem Mieter­strom­mo­dell

im Hager Tipp 47 auf Seite 7.

Technische Zeichnung für eine Mieterstromanlage mit NA-Schutz und Wandlermessung bei PV-Anlagen ab 30 kWp

Anwen­dungs­fall 4 für eine
Mieter­strom­an­lage

NA-Schutz und Wand­ler­mes­sung bei PV-Anlagen ab 30 kWp

Details zu diesem Mieter­strom­mo­dell

im Hager Tipp 47 auf Seite 8.


Eigen­ver­sor­gung einer Mieter­strom­ge­mein­schaft
EEG- oder KWKG-Anlage

Stromlaufplan für die Eigenversorgung einer Mieterstromgemeinschaft MI01

MI01

Z1: Zähler für Bezug und Liefe­rung (nur als RLM-Messung)

Z2: Zähler für Erzeu­gung/Liefe­rung mit Rück­lauf­sperre

Z5: Zähler des Anla­gen­be­trei­bers/Contrac­tors

Z6: Zähler (Letzt­ver­brau­cher)

Stromlaufplan für due Eigenversorgung einer Mieterstromgemeinschaft MI03

MI03

Z1: Zähler für Bezug und Liefe­rung (nur als RLM-Messung)

Z2: Zähler für Liefe­rung mit Rück­lauf­sperre

Z5: Zähler des Anla­gen­be­trei­bers/Contrac­tors

Z6: Zähler (Letzt­ver­brau­cher), keine Teil­nahme am Mieter­strom-Model



Planungs­hilfe von Hager

Für eine einfache, schnelle und sichere Planung von Zähler- und Vertei­ler­an­lagen für Mieter­strom-Modelle empfehlen sich die Hager Wand­ler­an­la­gen­listen sowie die Hager Planungs-Soft­ware ZPlan.

 

Darüber hinaus bieten auch die regio­nalen Tech­ni­schen Service Center (TSC) von Hager ihren Markt­part­nern gerne Unter­stüt­zung an.



Down­load

  • Hager Tipp 47: Mieterstrom (21DE0175_02)

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